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Rechtsprechung der Apostolischen Signatur über Verwaltungsstreitigkeiten
 
 

Oberster Gerichtshof der Apostolischen Signatur
Decretum Congressus vom 30.04.2015, Prot. N. 49486/14 CA


Kläger D.nus X et alii
Belangte Partei Congregatio pro Clericis
Gegenstand Suppressionis paroeciae X
Inhalt Reiectionem in limine confirmandam esse.
Anmerkungen Cf. L’attività della Santa Sede 2015, p. 787.
Rechtsquellen 
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Legenda
 
Canones des CIC1983
Alle in den Entscheidungen (sowohl im Teil in iure als auch im Teil in facto) erwähnten Canones sind als Quellen angegeben.
In Fettschrift werden diejenigen Canones angezeigt, die den Hauptgegenstand der Entscheidung bilden oder zu denen die Entscheidung ein Auslegungsprinzip formuliert.
In Kursivschrift werden diejenigen Canones des CIC von 1983 angezeigt,
- die nicht im Text der Entscheidung genannt sind, mit denen sich die Entscheidung aber befasst;
- die denjeingen Canones des CIC1917 entsprechen, von denen die - vor 1983 gefällte - Entscheidung handelt.

Andere Quellen
Es werden alle Quellen angegeben, die im Text Entscheidung (in iure oder in facto) erwähnt sind.
CIC cann. 50; 51; 515 § 2; 518; 1752
Pontificio Consiglio della Pastorale per i Migranti e gli Itineranti Istruzione Erga migrantes caritas Christi nn. 84-95; artt. 6-7;  
Congregatio pro Clericis Procedural Guidelines for the Modification of Parishes, the Closure or Relegation of Churches to Profane but not Sordid Use, and the Alienation of the Same, 30 aprilis 2013;  
LP art. 76 § 1
Leitsätze
1. Ad normam can. 515, § 2 unius Episcopi dioecesani est paroecias supprimere, qui eas ne supprimat, nisi audito consilio presbyterali; antequam decretum suppressionis ferat, Episcopus necessarias notitias et probationes exquirat, atque, quantum fieri potest, eos audiat quorum iura laedi possint; quae iura acquisita haberi possunt v.g. ex actu fundationis vel contractus, sed probanda sunt; decretum suppressionis feratur, denique, saltem summarie expressis motivis; qua in re, «Episcopus dioecesanus ... iuxta suam prudentem discretionem procedere potest, exclusa vero arbitrarietate» (decreta Congressus diei 3 maii 2002, prot. nn. 33219/01 CA; 32220/01 CA); sufficit proinde iusta causa; qua in ratione perpendenda, non solum condicio paroeciae consideranda est, verum etiam totius dioecesis, ut totius dioecesis saluti animarum et quidem etiam in futuro, meliore quo fieri potest modo, provideatur; nullum tamen «ius christifidelibus agnoscitur ad determinatam paroeciam, cum illis sufficiat paroecia quaedam, quae eorundem curam pastoralem expleat» (cf., v.g., decreta Congressus dierum 12 octobris 1995, prot. n. 25323/94 CA; 18 ianuarii 1996, prot. n. 25465/94 CA; 12 octobris 1995, prot. n. 25530/95 CA; 22 maii 2009, prot. n. 39525/07 CA).
2. Ad suppressionem paroeciae personalis quod attinet, agnoscendum est migratorum ius servandi patrimonium spiritale, immo ubi id expediat constituantur pro eis paroeciae personales, quod ius vinculatum non est cum quadam determinata paroecia personali, quae est una tantum ex pluribus comprobatis rationibus et viis in pastorali cura agenda pro coetibus specialibus fidelium (cf., v.g., decreta Congressus dierum 25 ianuarii 1991, prot. n. 21896/90 CA; 3 maii 1995, prot. n. 24388/93 CA; 26 ianuarii 1996, prot. n. 26205/95 CA; 18 iulii 1996, prot. n. 26399/95 CA). Mutata autem rei condicione, Episcopus dioecesanus, iuxta Signaturae Apostolicae iurisprudentiam, iusta ex causa etiam eiusmodi paroeciam supprimere potest et alio modo migratorum curae pastorali providere (cf. decretum definitivum diei 7 maii 2010, prot. n. 39162/06 CA).
3. Violatio legis in decernendo ob laesionem salutis animarum per suppressionem paroeciae personalis probari nequit saltem si permaneat vicarius paroecialis quippe qui adhuc curam pastoralem exerceat pro fidelibus usque adhuc ad paroeciam suppressam pertinentibus.
4. Quoad iustas suppressionis causas constat ex actis saltem deminutio sive familiarum in libris paroeciae inscriptarum sive fidelium ecclesiam frequentium, necnon condicio oeconomica paroeciae deteriorans.
5. Violationes legis in decernendo ob non servatas s.d. Procedural Guidelines invocari nequeunt attento quod eaedem nonnisi post decisionem de qua editae sunt.
6. Illegitimitas decreti, quo Secretarius recursum in limine reiecit, invocari nequit quia, reiectis decem rationibus in recursu summarie expressis, considerare recusavit ceteras rationes. Nam distinguere oportet inter remissionem nominatim factam ad singula argumenta in recursu hierarchico proposita et explicata, et remissionem quandam generalem ad universa argumenta cuiusvis generis et ponderis quandocumque facta.
7. Quoad praeviam Promotoris Iustitiae auditionem in casu probandam, satis est ut in actis exstet adumbratio decreti reiectionis in limine a Promotore Iustitiae deputato exarata, subsignata et Secretario proposita.
1. Pfarreien aufzuheben ist gemäß can. 515 § 2 allein Sache des Diözesanbischofs, der sie nicht aufheben darf, ohne den Priesterrat gehört zu haben; bevor er ein Aufhebungsdekret erlässt, soll der Bischof die notwendigen Erkundigungen und Beweismittel einholen sowie nach Möglichkeit diejenigen hören, deren Rechte verletzt werden könnten; solche wohlerworbenen Rechte können z.B. aufgrund des Gründungsakts oder eines Vertrags bestehen, sind aber beweisbedürftig; das Aufhebungsdekret ist schließlich mit wenigstens summarischer Begründung zu versehen; in dieser Sache "kann der Diözesanbischof ... nach seinem klugen Ermessen, doch ohne Willkür vorgehen" (Dekrete des Kongresses vom 3. Mai 2002, Prot. N. 33219/01 CA und 32220/01 CA); auch ist ein gerechter Grund ausreichend; bei der Abwägung dieses Grundes ist nicht nur die Situation der Pfarre, sondern auch die der ganzen Diözese in Betracht zu ziehen, damit für das Seelenheil der ganzen Diözese, und zwar auch in der Zukunft, möglichst gut gesorgt ist; dennoch wird den Gläubigen kein "Recht auf eine bestimmte Pfarre zuerkannt, weil für sie eine jegliche Pfarre ausreicht, die ihre Seelsorge durchführt" (vgl. z.B. die Dekrete des Kongresses vom 12. Oktober 1995, Prot. N. 25323/94 CA; vom 18. Jänner 1996, Prot. N. 25465/94 CA; vom 12. Oktober 1995, Prot. N. 25530/95 CA; vom 22. Mai 2009, Prot. N. 39525/07 CA).
2. Was die Aufhebung einer Personalpfarre betrifft, ist das Recht der Ausgewanderten anzuerkennen, das geistliche Erbgut zu bewahren; wo dies zweckdienlich ist, sollen für sie sogar Personalpfarreien eingerichtet werden; dieses Recht ist aber nicht mit einer bestimmten Personalpfarrei verbunden, die ja nur eine von vielen bewährten Erwägungen und Wegen in der Seelsorge für die besonderen Kreise von Gläubigen ist (vgl. z.B. die Dekrete des Kongresses vom 25. Jänner 1991, Prot. N. 21896/90 CA; vom 3. Mai 1995, Prot. N. 24388/93 CA; vom 26. Jänner 1996, Prot. N. 26205/95 CA; vom 18. Juli 1996, Prot. N. 26399/95 CA). Hat sich aber die Sachlage geändert, kann der Diözesanbischof nach der Rechtsauffassung der Apostolischen Signatur aus gerechtem Grund eine derartige Pfarre aufheben und auf andere Weise für die Seelsorge der Ausgewanderten sorgen (vgl. Enddekret vom 7. Mai 2010, Prot. N. 39162/06 CA).
3. Eine Gesetzesverletzung in decernendo wegen Verletzung des Seelenheils durch die Aufhebung einer Personalpfarre kann zumindest dann nicht bewiesen werden, wenn ein Pfarrvikar bleibt, der für jene Gläubigen, die bisher der aufgehobenen Pfarre angehörten, noch die Seelsorge ausübt.
4. Bezüglich der gerechten Gründe für die Aufhebung stehen aus den Akten zumindest die Verringerung sowohl der in den pfarrlichen Büchern eingetragenen Familien als auch der Gläubigen, die die Kirche besuchen, und die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage der Pfarre fest.
5. Gesetztesverletzungen in decernendo aufgrund der Nichtbeachtung der sogenannten ’Procedural Guidelines’ können nicht geltend gemacht werden, insofern selbige erst nach der Entscheidung de qua herausgegeben wurden.
6. Die Rechtswidrigkeit des Dekrets, mit dem der Sekretär die Beschwerde in limine zurückgewiesen hat, kann nicht geltend gemacht werden, weil er nach Zurückweisung von zehn in der Beschwerde summarisch ausgedrückten Gründen die übrigen Gründe nicht erwogen hat. Man muss nämlich unterscheiden zwischen einer ausdrücklichen Zurückweisung der einzelnen in einer hierarchischen Beschwerde vorgelegten und entfalteten Argumente und einer gewissen allgemeinen Zurückweisung aller, wann auch immer vorgebrachten Argumente jeglicher Art und jeglichen Gewichts.
7. Den Beweis der vorherigen Anhörung des Kirchenanwalts, in casu, betreffend, ist es ausreichend, dass in den Akten der vom zugewiesenen Kirchenanwalt ausgearbeitete, unterzeichnete und dem Sekretär vorgelegte Entwurf des Dekrets über die Zurückweisung in limine vorhanden ist.
 Italienisch - Französisch

Autor der Leitsätze (auf Latein): © G. Paolo Montini
Deutsche Übersetzung: © Johannes Fürnkranz

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