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Rechtsprechung der Apostolischen Signatur über Verwaltungsstreitigkeiten
 
 

Oberster Gerichtshof der Apostolischen Signatur
Sententia definitiva vom 16.01.2016, Prot. N. 48503/13 CA


Kläger Rev.dus X
Belangte Partei Congregatio pro Clericis
Gegenstand Exercitii sacri ministerii
coram Stankiewicz
Fundstelle Apoll 92 (2019) 356-362
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Übersetzungen it., Apoll 92 (2019) 363-369
Inhalt Constat de violatione legis in decernendo. Quod attinet ad reparationem damnorum, sufficit ut sententia publici iuris fiat.
Rechtsquellen 
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Legenda
 
Canones des CIC1983
Alle in den Entscheidungen (sowohl im Teil in iure als auch im Teil in facto) erwähnten Canones sind als Quellen angegeben.
In Fettschrift werden diejenigen Canones angezeigt, die den Hauptgegenstand der Entscheidung bilden oder zu denen die Entscheidung ein Auslegungsprinzip formuliert.
In Kursivschrift werden diejenigen Canones des CIC von 1983 angezeigt,
- die nicht im Text der Entscheidung genannt sind, mit denen sich die Entscheidung aber befasst;
- die denjeingen Canones des CIC1917 entsprechen, von denen die - vor 1983 gefällte - Entscheidung handelt.

Andere Quellen
Es werden alle Quellen angegeben, die im Text Entscheidung (in iure oder in facto) erwähnt sind.
CIC cann. 50; 51; 149 § 1; 220; 384; 521 § 3; 524; 835 § 2; 976
PB art. 123 § 2;  
LP art. 34 § 2
Leitsätze
1. Sedulo distinguendum est inter prohibitionem ministerii presbyteralis coram populo exercendi et collationem officii, ad quam de idoneitate candidati constare debet auctoritati competenti, uti patet ex can. 149, § 1. Distinguendum insuper est, quoad facultates ad ministerium sacerdotale exercendum, inter illas ab homine et eas a lege concessas: priores facultates, seu illae ab homine concessae, sunt eae, quae dantur alicui per actum particularem Superioris; alterae autem conceduntur ab ipsa lege.
2. Ad evitandas onerosas ambiguitates potissimum vero ad praecavendam arbitrariam decidendi rationem ex parte Auctoritatis ecclesiasticae, communis Signaturae Apostolicae iurisprudentia in dimetienda illegitimitate actus administrativi sequitur proportionis principium vel criterium, quod iam pridem in ius poenale ingressum est cum conceptu poenae retributivae, seu proportionatae nefario agendi modo delinquentis, servata inde aequa proportione inter sanctionem poenalem et delictum (cf. can. 2218, § l praevigentis Codicis). Quam ob rem vi huius principii quodvis decretum administrativum aequam proportionem servare debet cum eius motivis seu causis, quae praecedentem rationem sese gerendi partis recurrentis exprimant.
3. Illegitima haberi debet extra ambitum poenalem, seu per actum administrativum non poenalem, statuta retractatio facultatum sive iure universali sive ab Ordinario dioecesano concessarum et prohibitio imposita quodcumque ministerium sacerdotale coram populo exercendi.
4. Ad bonae famae reparationem seu recuperationem quod attinet, distinguendum est inter amissionem bonae famae antequam Episcopus ad facultatum revocationem perveniret (quo in casu valet principium quod penes “Damnum quod quis sua culpa sentit, sibi debet, non aliis imputare”: Reg. 86, R.J. in VI°) et amissionem actu illegitimo, seu disproportione affecto, illatam. Ad quam novissimam reparandam sufficit ut sententia publici iuris fiat, iuxta modum in appositis litteris explicandum.
1. Es ist aufmerksam zu unterscheiden zwischen dem Verbot, den priesterlichen Dienst ’coram populo’ auszuüben, und der Übertragung eines Amtes, wofür die Eignung des Kandidaten für die zuständige Autorität feststehen muss, wie aus can. 149 § 1 hervorgeht. Darüber hinaus ist bezüglich der Befugnisse zur Ausübung des priesterlichen Dienstes zu unterscheiden zwischen jenen, die ’ab homine’, und denen, die ’a lege’ gewährt werden. Erstere, also die ’ab homine’ gewährten, sind die, die jemandem durch einen besonderen Akt des Oberen verliehen werden; die zweiteren dagegen werden vom Gesetz selbst gewährt.
2. Um belastende Ungewissheiten zu vermeiden, vor allem aber um einer willkürlichen Entscheidungsweise seitens der kirchlichen Autorität vorzubeugen, folgt die herrschende Rechtsauffassung der Apostolischen Signatur in der Beurteilung der Rechtswidrigkeit eines Verwaltungsaktes dem Prinzip bzw. Kriterium der Proportionalität, das in das Strafrecht mit dem Konzept der Vergeltungsstrafe, also einer der widerrechtlichen Handlungsweise des Delinquenten unter Wahrung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Strafmittel und Delikt (vgl. can. 2218 § 1 CIC1917) angemessenen Bestrafung, schon lange Eingang gefunden hat. Kraft dieses Prinzips muss daher jedwedes Verwaltungsdekret das ausgewogene Verhältnis mit seinen Gründen bzw. Begründungen wahren, die die vorausgehende Verhaltensweise der beschwerdeführenden Partei zum Ausdruck bringen sollen.
3. Als rechtswidrig zu gelten hat der außerhalb des strafrechtlichen Bereichs, also mit einem nicht strafrechtlichen Verwaltungsakt festgesetzte Entzug der Befugnisse, die vom universalen Recht oder vom diözesanen Ordinarius gewährt wurden, sowie die Auferlegung eines Verbots der Ausübung jeglichen priesterlichen Dienstes ’coram populo’.
4. Was die Wiederherstellung bzw. Wiedererlangung des guten Rufes angeht, ist zu unterscheiden zwischen dem Verlust des guten Rufes, bevor der Bischof den Widerruf der Befugnisse vorgenommen hat (in dem Fall gilt das Prinzip: "Wer aus eigener Schuld Schaden erleidet, hat diesen sich, nicht anderen zuzurechnen": Reg. 86, R.J. in VI°) und dem Verlust, der durch einen rechtswidrigen bzw. unverhältnismäßigen Akt zugefügt wurde. Um diesen letzteren wiedergutzumachen, ist es ausreichend, dass das Urteil so, wie in einem beigefügten Brief zu erläutern sein wird, veröffentlicht wird.
 Italienisch - Französisch
Kommentare C. Begus, «Principio di proporzionalità e Diritto amministrativo canonico. Indizi giurisprudenziali», Apoll 92 (2019) 371-382

Autor der Leitsätze (auf Latein): © G. Paolo Montini
Deutsche Übersetzung: © Johannes Fürnkranz

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