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Rechtsprechung der Apostolischen Signatur über Verwaltungsstreitigkeiten
 
 

Oberster Gerichtshof der Apostolischen Signatur
Sententia definitiva vom 02.10.2018, Prot. N. 52094/16 CA


Kläger Rev.dus X et alii
Belangte Partei Congregatio pro Clericis
Diözese Ordinariatus militaris N.
Gegenstand Suppressionis paroeciae
coram Daneels
Fundstelle IE 33 (2021) 241-251; G. Parise, Opus iustitiae pax. Saggi di diritto canonico in memoriam del ven. Pio XII, Padova 2021, 103-118.
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Übersetzungen it., IE 33 (2021) 241-251, 649; G. Parise, Opus iustitiae pax. Saggi di diritto canonico in memoriam del ven. Pio XII, Padova 2021, 103-118.
Inhalt Constare de violatione legis in procedendo. Non constare de damnis.
Rechtsquellen 
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Legenda
 
Canones des CIC1983
Alle in den Entscheidungen (sowohl im Teil in iure als auch im Teil in facto) erwähnten Canones sind als Quellen angegeben.
In Fettschrift werden diejenigen Canones angezeigt, die den Hauptgegenstand der Entscheidung bilden oder zu denen die Entscheidung ein Auslegungsprinzip formuliert.
In Kursivschrift werden diejenigen Canones des CIC von 1983 angezeigt,
- die nicht im Text der Entscheidung genannt sind, mit denen sich die Entscheidung aber befasst;
- die denjeingen Canones des CIC1917 entsprechen, von denen die - vor 1983 gefällte - Entscheidung handelt.

Andere Quellen
Es werden alle Quellen angegeben, die im Text Entscheidung (in iure oder in facto) erwähnt sind.
CIC cann. 127 § 1; 127 § 2, n. 2; 166; 443 § 4; 463 § 1, n. 4; 515 § 2; 1161-1165; 1512, n. 5; 1619; 1622-1623; 1732-1739; 1739; 1742 § 1; 1745, n. 2; 1750
LP art. 30 § 3; artt. 101-103
Leitsätze
1. Etsi ad paroeciam supprimendam non fit mentio, evidenter iusta requiritur causa motiva, uti pro omnibus actibus administrativis ponendis.
2. Pernota est difficultas probandi in causis suppressionis paroeciae ne unam quidem iustam rationem motivam haberi; ad hoc haud carent rationabilitate opportunitas Ordinariatus expensas reducendi, disproportio distributionis paroeciarum in Ordinariatus territorio et defectus presbyterorum (in casu potius quam de suppressionis legitimitate quaestio videtur de collocationis eius sedis opportunitate, de qua Signaturae Apostolicae non est videre).
3. De processu intentionis seu de internis iudicis non est videre (in casu suspicabatur pars recurrens Episcopum per suppressionem paroeciae intentionem habuisse parochum ad aliud officium nominandum).
4. Canon 127 apprime distinguit inter consilium a singulis uti singulis et consilium a coetu uti coetu petendum. Quapropter in altero casu coetus ad normam iuris convocari debet, ut de re apte disceptata consilium seu votum ipsius coetus efformari possit. Consilium separatim exquisitum a singulis membris consilii presbyteralis, sine eius adunatione, est tantum consilium a singulis sed haudquaquam ab ipso coetu exquisitum.
5. Consilio presbyterali haud convocato, invocari nequeunt asserta urgentia decisionis (decisio enim de facto longe posterior fuit consultatione) et quod consilium presbyterale in sessionibus sequentibus de re disceptare potuisset (de facto enim non disceptavit).
6. Superiori hierarchico in expendendis recursibus hierarchicis facultas impugnatam decisionem sanandi non competit; nam 1) quae facultas in can. 1739 non recensetur; 2) Codex Iuris Canonici tantum servatis condicionibus peculiaribus cavet de sanatione in quibusdam casibus specificis (cf. cann. 1161-1165; 1619; 1622-1623), sed nullibi praevidet sanationem uti institutum generale; 3) quod apprime cohaeret cum regula iuris «Lite pendente nihil innovetur» (can. 1512, n. 5); 4) leges denique quibus recursus hierarchicus regitur processuales habendae sunt, cum in Libro VII de processibus iaceant (cann. 1732-1739).
7. Instituto sanationis non aequanda est facultas Superiori hierarchico can. 1739 concessa, ita ut ipse v.g. emendare possit decisionem ob defectum partis motivae impugnatam, adducendo nempe rationes motivas quae in actis exstant, quo vero casu actus dein forte apud Signaturam Apostolicam impugnatus est actus Dicasterii, prorsus praetermisso actu auctoritatis inferioris.
8. Quaestio de damnis apud Signaturam Apostolicam reparandis respicere potest asserta damna tantummodo ex actu forte illegitimo coram eadem Signatura Apostolica impugnato provenientia (in casu quoad asserta damna defecit necessarius nexus cum impugnata paroeciae suppressione).
1. Auch wenn es für die Aufhebung einer Pfarre nicht eigens erwähnt wird, ist dafür offensichtlich - wie für alle Verwaltungsakte - ein gerechter Grund erforderlich.
2. Hinlänglich bekannt ist die Schwierigkeit, zu beweisen, dass in Pfarraufhebungssachen nicht einmal ein einziger gerechter Grund vorliegt; der Vernünftigkeit entbehren hier nicht: die Gelegenheit für das Ordinariat, Ausgaben zu reduzieren, die ungleiche Verteilung der Pfarren im Gebiet des Ordinariats und der Priestermangel. (Im vorliegenden Fall schien die Frage, eher als die Rechtmäßigkeit der Aufhebung der Pfarre, die Angemessenheit des Ortsfestlegung ihres Sitzes zu betreffen, worüber die Apostolische Signatur jedoch nicht zu befinden hat.)
3. Über einen Prozess über Absichten oder über innerliche Angelegenheiten hat der Richter nicht zu befinden. (Im vorliegenden Fall hatte die beschwerdeführende Partei den Verdacht gehabt, der Bischof hätte die Absicht gehabt, durch die Aufhebung der Pfarre den Pfarrer in ein anderes Amt zu ernennen.)
4. Can. 127 unterscheidet vorzüglich zwischen dem Rat, der von einzelnen als einzelnen, und jenem, der von einem Kreis als Kreis einzuholen ist. Deshalb muss im zweiteren Fall der Kreis nach Maßgabe des Rechtes einberufen werden, damit der Rat bzw. das Votum des Kreises über eine Sache gebildet werden kann, die entsprechend erörtert wurde. Ein von den einzelnen Mitgliedern des Priesterrates getrennt, also ohne dessen Versammlung, erfragter Rat ist nur ein von einzelnen, keinesfalls aber ein vom Kreis selbst erfragter Rat.
5. Wurde der Priesterrat nicht einberufen, kann man sich nicht auf die behauptete Dringlichkeit der Entscheidung berufen (tatsächlich war die Entscheidung nämlich lange nach der Befragung getroffen worden) und auch nicht darauf, dass der Priesterrat die Angelegenheit in den folgenden Sitzungen hätte erörten können (tatsächlich hatte er es nämlich nicht erörtert).
6. Bei der Beurteilung hierarchischer Beschwerden kommt dem hierarchischen Oberen nicht die Befugnis zu, die angefochtene Entscheidung zu heilen, denn 1) diese Befugnis wird in can. 1739 nicht aufgezählt; 2) der Codex des Kanonischen Rechtes sieht eine Heilung nur unter Beachtung besonderer Bedingungen in gewissen Spezialfällen (vgl. cann. 1161-1165; 1619; 1622-1623), nirgends aber als allgemeine Einrichtung vor; 3) dies passt vorzüglich zur Rechtsregel «Während des Rechtsstreites darf nichts verändert werden» (can. 1512, n. 5); 4) schließlich haben die Gesetze, durch die die hierarchische Beschwerde geregelt wird, als prozessual zu gelten, weil sie im Buch VII über die Prozesse zu finden sind (cann. 1732-1739).
7. Mit dem Rechtsinstitut der Sanatio kann man nicht die dem hierarchischen Oberen in can. 1739 gewährte Befugnis vergleichen, wonach dieser z.B. eine wegen fehlender Begründung angefochtene Entscheidung verbessern kann, indem er Gründe anführt, die in den Akten vorliegen; in einem solchen Fall ist der Akt, der gegebenenfalls bei der Apostolischen Signatur angefochen wird, der Akt des Dikasteriums, ungeachtet des Akts der untergeordneten Autorität.
8. Die Frage nach der Wiedergutmachung der Schäden kann vor der Apostolischen Signatur nur jene behaupteten Schäden betreffen, die aus dem möglicherweise rechtswidrigen, vor der Apostolischen Signatur angefochtenen Akt hervorgehen. (Im vorliegenden Fall hatte bezüglich der behaupteten Schäden der Bezug zu der angefochtenen Pfarraufhebung gefehlt.)
 Italienisch - Französisch
Kommentare G. Parise, Soppressione di una parrocchia e impossibilità di sanare un atto amministrativo illegittimo da parte del Superiore gerarchico, IE 33 (2021) 252-274; G. Parise, Opus iustitiae pax. Saggi di diritto canonico in memoriam del ven. Pio XII, Padova 2021, 119-152.

Autor der Leitsätze (auf Latein): © G. Paolo Montini
Deutsche Übersetzung: © Johannes Fürnkranz

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