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Rechtsprechung der Apostolischen Signatur über Verwaltungsstreitigkeiten
 
 

Oberster Gerichtshof der Apostolischen Signatur
Sententia definitiva vom 20.09.2012, Prot. N. 44731/10 CA


Kläger Rev.da X
Belangte Partei Congregatio pro Institutis vitae consecratae et Societatibus vitae apostolicae
Gegenstand Exclaustrationis impositae
coram Sardi
Fundstelle ME 130 (2015) 351-358; W.L. Daniel, Ministerium Iustitiae II, 507-521
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Übersetzungen angl.: W.L. Daniel, Ministerium Iustitiae II, 507-521; ME 130 (2015) 358-366
Inhalt Constat de violatione legis in procedendo et in decernendo.
Rechtsquellen 
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Legenda
 
Canones des CIC1983
Alle in den Entscheidungen (sowohl im Teil in iure als auch im Teil in facto) erwähnten Canones sind als Quellen angegeben.
In Fettschrift werden diejenigen Canones angezeigt, die den Hauptgegenstand der Entscheidung bilden oder zu denen die Entscheidung ein Auslegungsprinzip formuliert.
In Kursivschrift werden diejenigen Canones des CIC von 1983 angezeigt,
- die nicht im Text der Entscheidung genannt sind, mit denen sich die Entscheidung aber befasst;
- die denjeingen Canones des CIC1917 entsprechen, von denen die - vor 1983 gefällte - Entscheidung handelt.

Andere Quellen
Es werden alle Quellen angegeben, die im Text Entscheidung (in iure oder in facto) erwähnt sind.
CIC cann. 686 § 3; 1732; 1734
RGCR art. 135 §§ 1-2
Leitsätze
1. Recursus contentiosus administrativus remonstrationem praeviam adversus decisionem competentis Curiae Romanae Dicasterii necessario haud requirit: cf. rubrum ante can. 1732; art. 135, §§ 1-2 Ordinationis generalis Romanae Curiae; praxis et communis iurisprudentia (in casu Dicasterium sibi vindicavit recursum coram Signatura Apostolica praebitum).
2. Ius defensionis sodalis exclaustrandi coram Auctoritate Ecclesiastica exercendum est, quae exclaustrationem imponit, non autem coram Auctoritate religiosa seu monastica quae exclaustrationem petit (quae ceterum in casu nihil ad rem Auctoritati competenti ante decretum editum rettulit).
3. Neglecto defensionis iuri favet sive stilus decreti exclaustrationis impositae, quod plerumque ad causas remittit in petitione exclaustrationis imponendae expressas, sive petitio quae causam exclaustrationis imponendae genericis verbis exprimit.
4. Violatio legis in decernendo habetur sive cum causae ad decretum sustinendum adductae reapse haud exsistant sive cum eaedem causae adductae nullam rationabilem relationem cum eodem decreto prae se ferant, nam, iuxta notum effatum, «frustra probatur quod probatum non relevat».
5. Commoratio atque curatio occasione exclaustrationis impositae imperatae exclaustrationem impositam excedunt ac proinde de iisdem competens Curiae Romanae Dicasterio tantum positis ponendis et recto iuris tramite decernere potest.
6. Aequitas et caritas servandae sunt exclaustrationis impositae requisitum lege firmatum, quod attinet sive ad exclaustrationis proceduram sive ad exclaustrationis decisionem (in casu exclaustratio ad effectum deducta est antequam a competenti Auctoritate Ecclesiastica decreta esset; insuper commoratio curationis causa imposita caritate et aequitate statuta dici nequit, si mox ac huic caritatis aequitatisque dispositioni abrenuntiare sodalis voluit ac reapse abrenuntiavit, de subsecutura dimissione ab Instituto religioso bis admonitus est).
1. Die verwaltungsgerichtliche Beschwerde verlangt nicht notwendigerweise einen vorausgehenden Einspruch gegen die Entscheidung des zuständigen Dikasteriums der römischen Kurie: vgl. die Überschrift vor can. 1732, Art. 135 §§ 1-2 Regolamento Generale della Curia Romana sowie die Praxis und die herrschende Rechtsauffassung. (Im vorliegenden Fall hatte das Dikasterium für sich Anspruch auf das Recht der Behandlung der vor der Apostolischen Signatur eingereichten Beschwerde erhoben.)
2. Das Verteidigungsrecht eines Mitglieds, das exklaustriert werden soll, ist vor der kirchlichen Autorität auszuüben, die die Exklaustration auferlegt, nicht aber vor der Autorität des Ordens bzw. des Klosters, das um die Exklaustration ersucht (die übrigens im vorliegenden Fall der zuständigen Autorität vor dem Erlass des Dekrets zu der Angelegenheit nichts berichtet hatte).
3. Eine Verweigerung des Verteidigungsrechts begünstigen sowohl der Stil des Dekrets über die auferlegte Exklaustration, das größtenteils [nur] auf die Gründe verweist, die im Ersuchen um die Auferlegung der Exklaustration zum Ausdruck kommen, als auch das Ersuchen, das den Grund für die aufzuerlegende Exklaustration [nur] in allgemeinen Worten ausdrückt.
4. Eine Gesetztesverletzung in decernendo liegt vor, sowohl weil die Gründe, die angeführt wurden, um das Dekret zu stützen, in Wahrheit nicht gegeben sind, als auch weil ebendiese angeführten Gründe keinen vernünftigen Bezug mit selbigem Dekret aufweisen, denn nach einem bekannten Grundsatz "wird vergeblich als Beweis angeführt, was, obwohl bewiesen, nichts stützt."
5. Die anläßlich der auferlegten Exklaustration verfügte Aufenthalts- und Behandlungsverpflichtung überschreitet die auferlegte Exklaustration; daher kann das zuständige Dikasterium der römischen Kurie darüber nur unter Erfüllung der Voraussetzungen und auf dem rechten Verfahrensweg entscheiden.
6. Die Wahrung von Billigkeit und Liebe ist ein vom Gesetz bestätigtes Erfordernis bei der Auferlegung der Exklaustration, sowohl was das Exklaustrationsvefahren als auch was die Exklaustrationsentscheidung betrifft. (Im vorliegenden Fall war die Exklaustration umgesetzt worden, bevor sie von der zuständigen kirchlichen Autorität dekretiert worden war; darüber hinaus kann nicht behauptet werden, eine zum Zweck einer Behandlung auferlegte Aufenthaltsverpflichtung wäre aus Liebe und Billigkeit festgesetzt worden, wenn das Mitglied, sobald es dieser Verfügung aus Liebe und Billigkeit entsagen wollte und auch tatsächlich entsagt hat, zweimal mit Blick auf die Entlassung aus dem Ordensinstitut verwarnt wurde.)
 Italienisch - Französisch
Kommentare W. Daniel, «Commento/Note – Decreta n. 44605/10 CA. Commento/Note – Sententia def. n. 44731/10 CA», ME 130 (2015) 367-371

Autor der Leitsätze (auf Latein): © G. Paolo Montini
Deutsche Übersetzung: © Johannes Fürnkranz

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